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Eine gesonderte Rolle in der Arbeit des Osteopathen spielt die Behandlung von Säuglingen und Kindern. Grundsätzlich unterscheidet sich die Behandlung von Kindern bezüglich der osteopathischen Denkweise nicht von der Behandlung erwachsener Menschen.


Gerade Kinder reagieren aufgrund der weichen, im Wachstum befindlichen Bindegewebe in der Regel sehr gut und sehr schnell auf osteopathische Behandlungen.

Um die weit gefächerten Anwendungsgebiete im Bereich der Kinderosteopathie einmal zu verdeutlichen, sollen die spezifischen Probleme dreier Altersabschnitte des Näheren vorgestellt werden:

1) Säuglingsalter

Die Ursachen der Probleme von Säuglingen entstehen entweder schon vorgeburtlich, d.h. in der Schwangerschaft, während der Geburt oder durch Anpassungsstörungen nach der Geburt.


1.1 Vorgeburtlich führen häufig Infektionen und vorzeitige Wehen zu späteren Problemen, aber auch eine ungünstige Lage im Mutterleib oder zu wenig Fruchtwasser wirken sich ungünstig auf das Kind aus.

1.2 Während der Geburt spielt die Kombination der räumlichen Enge im Mutterleib mit der Geburtsdauer und der Medikation die größte Rolle bei der Entstehung von Funktionsstörungen beim Neugeborenen. Aber auch der Kaiserschnitt oder der Einsatz von Hilfsmitteln, wie z.B. der Saugglocke oder der Zange, können zu Verschiebungen im Schädel –Schulter – und Wirbelsäulenbereich führen. Hierbei werden Gefäße und Nerven häufig so stark eingeklemmt, dass folgende Probleme verursacht werden können, die der Osteopath beheben kann:


Schluck- und Saugstörungen, Spucken und Erbrechen, Unruhe und Schlafprobleme, Blähungen und Verdauungsstörungen, motorische Bewegungseinschränkungen und Schieflagen von Kopf und Rumpf, Schädel- und Gesichtsasymmetrien, Hüftdysplasien, Überstreckungstendenzen und Plagiocephalien (Abflachungen einer Kopfseite).



1.2.1 KISS – Syndrom im Säuglingsalter

Ein großes Thema der Kinderheilkunde ist das KISS – Syndrom, eine kopfgelenksinduzierte Symmetriestörung, deren Ursache eine Blockierung der Kopfgelenke ist und die sich in den meisten Fällen während der Geburt einstellt. Das KISS-Syndrom wird in zwei Formen unterteilt, die allerdings auch kombiniert auftreten können: KISS I und KISS II.

Beim KISS I halten die Kinder den Kopf bevorzugt zu einer Seite und liegen mit dem Körper sichelförmig im Bettchen. Oft zeigt sich das KISS I erst mit der Abflachung einer Kopfseite (Plagiocephalie) und wird deshalb den Eltern erst zu spät bewusst.

Zum KISS II lässt sich Folgendes sagen: Die Kinder haben eine sehr starke Überstreckungstendenz und sind daher für Erwachsene nur schwierig auf dem Arm zu halten. In Rückenlage suchen die Kinder den Druck zur Unterlage, wodurch es häufig zu einer Abflachung kombiniert mit einem haarlosen Fleck auf der Kopfrückseite des Säuglings kommen.

KISS-Kinder sind muskulär eher hypoton: Das heißt, sie sind schlichtweg schlapp. Gerade deshalb wird die Bauchlage nicht toleriert und die Kopfkontrolle erst verspätet erlangt. Sehr häufig entstehen bei KISS-Kindern aufgrund der Nerven- und Gefäßkompressionen im Kopfgelenkbereich Dreimonatskoliken, Schlafstörungen und starke Schreiattacken v.a. in den Nachmittags– und Abendstunden.

1.3 Anpassungsschwierigkeiten nach der Geburt entstehen häufig durch eine unreife Schleimhautflora, die zu jeglicher Art von Verdauungsproblemen führen kann. Im Verlauf der ersten Wachstumsschübe können sich darüber hinaus auch jetzt noch Seitenbevorzugungen, körperliche Bewegungseinschränkungen, Überstreckungstendenzen oder auch vermehrtes Spucken einstellen.

Ein gut ausgebildeter Kinderosteopath erkennt die Ursachen dieser Probleme und korrigiert sie weitestgehend bereits in der ersten Behandlung. 


2) Kleinkindalter                                                                                                                                                                                  

Die oben genannten Störungen und Probleme im Säuglingsalter können auch Ursache für später auftretende Auffälligkeiten sein. In der Befunderhebung wird der Osteopath deshalb neben der körperlichen Untersuchung auch die vorausgegangenen Probleme jeglicher Art erfragen. Typischerweise treten im Kleinkindalter folgende Symptome auf, denen der Osteopath entgegenwirken kann:

motorische und / oder sprachliche Entwicklungsverzögerungen, Haltungsstörungen, Koordinationsstörungen, persistierendes infantiles Schlucken, rezidivierende Infektionen der Atemwege, Mittelohrentzündungen, Verengungen der Tränenkanäle, allgemeine Infektanfälligkeiten, Allergien, Blähungen und Verdauungsstörungen, Hyperaktivitäten, Schlafstörungen


3) Schulkinder

Die Entwicklungs – und Krankengeschichte eines jeden Patienten spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung späterer Beschwerden, jedoch können die tatsächlichen Ursachen vielfältig sein: In der täglichen osteopathischen Praxis finden sich typisch für das Alter von Schulkindern folgende Probleme:

Konzentrationsstörungen, Lernschwierigkeiten, Lese-Rechtschreibstörungen, ADS, ADHS, Haltungsstörungen, Verdauungsstörungen, Gelenkbeschwerden jeglicher Art, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Infektanfälligkeiten, Hyperaktivitäten, Dysfunktionen des Kiefergelenks und Auffälligkeiten im Zahnwachstum

Die Behandlung von Klein- und Schulkindern kann je nach Ausprägung schnell abgeschlossen werden aber auch einen längeren Zeitraum beanspruchen. In den meisten Fällen kann der Osteopath zu Beginn der Therapie recht gut einschätzen, wie viele Behandlungen in Anspruch genommen werden sollten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die gezielte, patientenorientierte Korrespondenz von Osteopathen bestmögliche Therapieergebnisse liefert.


Osteopathie etwas besonderes in der Säuglings- und Kinderheilkunde



Ausgebildeter Säuglings,- Kinderosteopath